Die ertrunkenen Widergänger
Die Geister auf Sylt
 

Untote, die in die Welt der Lebenden zurückkehren, nennt man auf der norddeutschen Insel Sylt Gongers.

Wer unschuldig ermordet wurde oder Grundsteine versetzt und Land verwüstet hat, findet keine Ruhe im Grab. Ebenso müssen auch Gotteslästerer, Menschen die sich selbst verflucht haben und Selbstmörder wiederkehren. Wem ein solcher Gonger begegnet, der verspürt keine Angst sondern empfindet eher tiefe Trauer. Wenn einer von der Verwandtschaft auf See ertrunken ist, meldet er es den Anverwandten.

Der Gonger zeigt sich aber nicht in der nächsten Verwandtschaft, sondern erst in der dritten oder vierten Nachkommens-Generation. In der Abenddämmerung oder bei Nacht kehrt er zurück aus dem Meer, in der Kleidung, in der er ertrunken ist. Nachts öffnet er die Stubentür des Hauses der Verwandtschaft, löscht mit der Hand das Licht aus und legt sich auf die Decke eines schlafenden Familienmitgliedes.


   
Wenn die Nacht gegangen ist und der neue Morgen gekommen ist, findet man eine Spur aus salzigem Wasser in der Stube, das von den durchnässten Kleidern des Ertrunkenen stammt. Wenn die Hinterbliebenen sich durch dieses Zeichen nicht überzeugen lassen, so wird der Gonger so lange wieder erscheinen, bis sie glauben, dass jemand aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist.

Es mag sich schaurig anhören, die Vorstellung eines Wiedergekehrten - in der Regel wollen die Gonger nur, dass man sich an sie und die Umstände ihres Todes erinnert.