Ein Geistermahl
 
Beim Pfarrer von Berneck war noch bis tief in die Nacht eine lustige Gesellschaft versammelt. Die Kerzen waren schon tief herabgebrannt, der Wein ging zur Neige und der Nachtwächter verkündete bereits die elfte Stunde des Tages. Doch die Gäste des Pfarrers machten keine Anstalten zu gehen sondern zogen es vor sitzen zu bleiben. Also rief der Pfarrer seine Magd zu sich und bat sie, nachdem die Flaschen nun alle geleert waren, ihr Glück einmal oben auf dem alten Schloss zu versuchen. Allnächtlich sollten dort die Geister zechen und diese könnten ihm doch sicherlich die eine oder ander Flaschen Wein zukommen lassen.

Der Magd war dabei nicht ganz geheuer zumute und sah ihren Herren betroffen an. Doch dieser wiederholte sein Zumuten im ernsten Ton und bat sie erneut nach Wallenroden hinaufzusteigen. Daraufhin fasste die treue Dienerin einen festen Entschluss und schreitete los.

 
Noch nicht ganz am Tore des Schlosses angekommen, brach ein Wirbelwind hervor und riß das Tor des Schlosses auf. Mit wankenden Schritten betrat sie das Schloss und stand vor einem großen Saal.Dort saßen tatsächlich die verstorbenen Ritter, von aschgrauem Anlitz, bei einem Gastmahl zusammen in einem Kreis. Als Pokale dienten ihnen die Schädel der Toten.

Die Magd trat zitternd ein in den Saal und sofort erhob sich eine der finsteren Gestalten. Nachdem sie gefragt wurde, was denn ihr Begehr sei, brachte sie unter Angst und bebenden Lippen ihren Auftrag hervor. Der Ritter nahm daraufhin einen Krug, füllte ihn und gab ihn der Magd. Zugleich sagte er: "Deiner Einfalt sei verziehen, die Schuld haftet auf deinem Herrn. Aber laß dich niemals wieder hier sehen, wenn dir Leib und Leben teuer sind."

Die Magd erbleichte in einem Leichenweiß und griff bestürzt nach dem Krug. So schnell sie konnte eilte sie damit das offenen Schlosstor hinaus in die tiefst schwarze Nacht. Als sie im Pfarrhaus angelangte stellte sie den Kruf auf den Tisch und erklärte mit kurzen Worten daß dies das letzte mal gewesen sei daß sie dem Gebot ihres Herren getreu auf das alte Schloss gegangen sei. Von den Gästen, welche sich sofort über den Geisterwein hermachten, erhielt sie daraufhin nur spott. Plötzlich konnte sie ein wildes Brausen vernehmen, der Sturm heulte grauenerregend. Blitze und abermals Blitze durchzuckten den Saal. Alles bebte und zitterte. Ein Gast nach dem anderen verschwand von einer zur nächsten Sekunde. Als endlich der morgen anbrach, fand man den Herrn des Hause, den Pfarrer von Berneck, tot.