Der Geistergottesdienst
Der Glaube an Geistergottesdienste ist weit verbreitet. Geister treiben auch in Gotteshäusern, wie in Wohnhäusern, Herrensitze oder wie unter freiem Himmel, ihr Unwesen. Von ihrer gefährlichen Seite zeigen sie sich insbesondere die Toten, die nächtliche Gottesdienste halten. Lebende, die zufällig in solch einen Gottesdienst hineingeraten, tun gut daran sofort wieder zu verschwinden.

Auch in der Nikolaikirche in Kiel, der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, fand laut einer Sage, eine unheimliche Messe statt. Eine Kielerin wurde Zeuge dieser nächtlichen Veranstaltung:

Eines Nachts wurde die junge Kielerin wach da sie Glocken- und Orgelspiel hörte. Da sie annahm, es sei Zeit für einen Gottesdienst, kleidete sie sich an und machte sich auf den Weg zur Nikolaikirche. Dort angekommen war ihr alles sehr fremd und kam ihr äußerst merkwürdig vor. Die Menschen, die in der Kirche saßen, waren ihr überhaupt nicht bekannt, ebenso die Lieder die gesungen und gespielt wurden. Sie waren ihr weder aus ihrem Gesangsbuch, noch aus vorhergehenden Gottestdiensten bekannt. Nach und nach entdeckte sie unter den Besuchern, zu ihrem Entsetzen, zahlreiche Gestalten, die vor langer Zeit zuletzt gesehen hatte und die schon längst verstorben waren.

 
Plötzlich wurde sie von einer Frau aufgefordert die Kirche sofort zu verlassen und sich nicht mehr umzusehen. Als sie die Frau näher betrachtete erkannte sie ihre längst verstorbene Patentante. Voller Grauen verließ sie darauf hin sofort das Gebäude. Gerade als die Tür der Kirche sich hinter ihr Schloss, schlugen die Glocken der Kirche Mitternacht. Ihr Umhang hatte sich in der großen Tür verfangen. Doch um keine Zeit zu verlieren streifte sie ihn sich ab und lief davon.

Am nächsten Morgen ging sie erneut zur Kirche um ihren Mantel zu holen. Als sie an die Tür herantrat konnte sie ihn jedoch nicht wiedererkennen. Er war in tausend Stücke zerrissen.