The Others - Film
Regie: Alejandro Amenabar
Darsteller: Nicole Kidman, Christopher Eccleston
 
Grace (Nicole Kidman), in elegantem Tweed, lebt mit zwei lichtkranken Kindern auf einem viktorianischen Anwesen lebend und ist seit dem Zweiten Weltkrieg ohne Mann. Die perfekte Allegorie einer überforderten, zwanghaft besorgten Mutter. Das Drama der alleinerziehenden Frau. Wenn da nicht Dinge in diesem Hause wären, die den Schrecken und die rigorose Routine ihres unsinnlichen Alltags rechtfertigen würden. Nicole Kidman erinnert mit ihrer kühlen, blonden Eleganz an alte Bilder der Kelly, jedoch ohne deren mondänen Glamour zu versprühen - und so wandelt sie vielmehr freudlos in einer Welt voller abgetönter Schatten wie deren calvinistisches Negativ.

Streng gläubig, lehrt Grace die Kinder täglich aus der Bibel und verbietet jederlei Spukgeschichten und jeden mythischen Nährboden für Übersinnliches. Doch wie der kleine Sohn einmal spitzfindig bemerkt, ist auch die Bibel nicht ohne fiktive Momente. Warum sollte denn hier alles geglaubt werden? Mit drei schon leicht angestaubten, neuen Bediensteten hält in dem alten, düsteren Haus das Knarren der Dielen, das Lachen ohne Lacher und das selbsttätige Öffnen von verschlossenen Türen Einzug. Religiöser Glauben und Mythos - als das, was immer war und niemals ist - unterscheiden sich eben nur durch einen Hauch mehr an Rationalität und Distanz. Gerade die unreflektierte Macht der Bilder über das Bewußtsein ist es aber, die Grace so sehr fürchtet wie Freud das Unbewußte. Wo ES war soll ein taghelles ICH werden. Weg also mit dem mythischen Ahnenkult, der Lebendes und Totes verbindet und sich in einer Allsympathie zur gesamten Natur fühlt. 'Sie muß noch viel lernen', seufzt Miss Mills, die neue alte Haushälterin in der Mitte des Films.
   
Dunkelheit ist das beherrschende ästhetische Prinzip in 'The Others'; inhaltlich von der Lichtkrankheit der Kinder motiviert. Tür um Tür muß verschlossen werden, damit kein Lichtstrahl an das empfindliche Auge der Kleinen dringt. Grace ist wie ein Gefängniswärter mit schwerem, gußeisernen Schlüsselbund in einem finsteren Labyrinth aus Tausenden feindlicher Türen, die ständig den Tod bringen könnten. Ein wenig Licht oder ein Ehemann hätten in diesem Niemandsland der Zwangsneurose sicherlich das Schlimmste verhindert. Doch da ist bereits schon alles zu spät. Ein raffiniertes Ende wird zeigen, wie sehr auch die Zeit in diesem Film eine andere ist.

Im Laufe der Geschichte taucht noch ein unheimliches Buch der schlafendenToten auf, die rebellische Tochter wiederholt ein ums andere Mal stoisch 'und es passierte doch', ein unsichtbarer Junge wird 'gesehen' und der zartfühlige Sohn wimmert deswegen vor Angst. Die Bediensteten sind mit einiger Sicherheit wiedergängerische Verstorbene, die das Haus zurückwollen und allmählich darüber die Contenance verlieren. Dafür legen sie beim Countdown sogar ihre vermoosten Gräber frei, während der Mitternachtsnebel ein übriges tut. Bis die finale Wendung dann eine erhebliche Überraschung für fast alle bringt - sie wird sicherlich noch längere Zeit erinnert werden.
   
© Stefanie Maeck - Filmtext.com

Hier kannst Du "The Oters" auf DVD bestellen »