Der Friedhof von Wet Mountain Valley
 

Die weit verbreitete Vorstellung, daß es auf Friedhofen mehr spukt als anderswo, kann anhand von Aufzeichnungen von Parapsychologischen Instituten nicht bestätig werden. Erzähl-ungen von malerisch gewandeten Personen, klirrende Ketten und aus Gräber erklingender Stimmen sind reine Fiktion. Jedoch gibt es auf einem Hügel im Weg Mountain Valley in Colorado einen Friedhof auf dem sich unerklärliche Dinge abspielen. Hier wandeln Phantome - was auch immer sie sein mögen - fast jede Nacht über den Friedhof und für jeden sichtbar.

1880 stand das kleine Städtchen Silver Cliff im Mittelpunkt eines Silberrausches. Familien und Goldschürfer stürmten in den kleinen Ort, so daß er zum Jahreswechsel über 5.000 Einwohner hatte. Allerdings dauerte dieser Boom nicht an. Silver Cliff ist heute, im doppelten Sinne, eher eine Geisterstadt. Etwa nur noch 100 Menschen wohnen dort, etwas weniger als die Anzahl der Toten die auf dem nahegelegenem Friedhof begraben sind.


   
Zum ersten mal wurden die seltsame Phantome, die den Friedhof heimsuchen, um 1880 beobachtet. Eine Gruppe betrunkener Schürfer, die gerade auf dem Weg zu den Minen waren, sahen über jedem der Gräber ein bläuliches Licht schweben. Diese Erscheinungen waren keinerlei nur die Nebenwirkungen des Whiskeys, sondern konnten auch tags drauf von nüchternen Beobachtern gesehen werden.

Sehr viel später, im Jahre 1956, berichtete die ortsansässige Zeitung, Die Wet Mountain Tribune von den gespentischen Lichtern auf dem Friedhof. 1967 lenkten die Lichter sogar die Aufmerksamkeit der New York Times auf sich. Hunderte von Touristen kamen um sich die unheimlichen Erscheinungen anzusehen. 1969 beschrieb ein Hilfsredakteur der National Geographics seinen ersten Eindruck von den Lichtern. Linehan fuhr, begleitet durch den Ortsansässigen Bill Kleine, zum Friedhof hinaus. Als sie ankamen, war es bereits dunkel. Kleinen forderte Linehan auf die Scheinwerfer des Autos auszuschalten. Nachdem sie ausgestiegen waren zeigte Kleinen sofort auf einige Stellen auf dem Friedhof und zeigte Linehand eine trübe runde Flecken aus weißblauem Licht die über den Grabsteinen schwebten. Als sie näher herantraten um eines der Lichter genauer zu untersuchen verschwand es und tauchte kurze Zeit später wieder auf. Linehan richtete eine Taschenlampe auf eines der Lichter. Doch außer einem blanken Grabstein war nichts außergewöhnliches mehr zu erkennen. Eine viertel Stunde lang beobachteten die beiden Männer, die immer ausweichenden Lichter, zwischen den Gräbern.

Kleine erzählte Lineham daß manche Leute der Ansicht wären, diese Lichter seien Reflektionen der Stadtbeleuchtung von Silver Cliff und Westcliff, welche ja in der Nähe lagen. Linehand drehte sich daraufhin um, um zu den beiden Städten zurück zu blicken. Die winzigen Lichtbündel der beiden Städte schienen aber viel zu schwach, alsdas sie diese Wirkung auf den Friedhof hätten erzielen können. Außerdem bemerkte Kleine, daß er uns seine Frau auch die Lichter schon gesehen hatten wähernd es so neblig war, das man von den beiden Städten nicht das geringste mehr erkennen konnte.

   
Andere Theorien wurden hervorgebracht mit den Versuchen dieses Phänomen erklären zu können. Eine besagt zum Beispiel daß die Lichter durch radioaktives Erz hervorgerufen werden könnten. Ein Geigerzähler konnte jedoch in der gesamten Umgebung keinerlei Radioaktivät feststellen. Wieder eine andere besagt die Lichter würden aus Leuchtfarben bestehen, die von Witzbolden auf die Gräber getupft wurde. Doch dafür gibt es ebenfalls keinerlei Anhaltspunkte. Und wiederum eine andere stellt die These auf, das die Geisterlichter den Quecksilberdampf der Quecksilberlaternen von Westcliff refkletieren. Doch wurden diese Lampen erst kurze Zeit zuvor installiert und selbst bei einem Versagen der Stromversorgung seien die Lichter auf dem Friedhof gesehen worden.

Eine völlig andere Methode zur Lösung des Rätsels bot der Anthropologe und Volkskundler Dale Ferguson an. Er schreibt, daß die Cheyenne und andre Prärieindianer ihre Toten auf den Hügeln, die "den Geist heiligt" waren, zur letzen Ruhe betteten. Wenn ein besonders mächtiger Medizinmann spürte, daß sich sein eigener Tod nähert, ging er zu dem "Hügel der toten Männer" und legte sich dort nieder, bis ihm seine Seele entführt wurde. Mehrere Indianer erzählen von tanzenden blauen Geister an jenen Stellen.
Die alteingesessen Bürger von Silver Cliff hingegen akzeptieren nur eine Theorie. Die weißblauen Lichter seien die Helmlampen jener Silberschürfer, die längst verstorben seien und noch immer auf dem Hügel nach Silber suchen.