Lady Elizabeth von Frendraught
 
Bei einem Feuer des Hauses Frendraught im 17. Jahrhundert kamen mehrere Menschen ums Leben. Die Bevölkerung machte dafür die Gutsherrin verantwortlich. Noch immer soll ihr Geist am Schauplatz des Brandes umhergehen.

Es gehört zu den klassischen Erzählungen, dass die Geister derer, die eine Untat begangen haben, dazu verurteilt sind, an genau diesem Schauplatz ihres irdischen Daseins zu spuken, bis ihre Sünden gesühnt sind. Haus Frendraught in Aberdeenshire soll der Ort eines solchen "Bußspuks" sein. In der Mitte des weitläufigen Bognie-Grundstücks liegt Huntly, von wo aus es etwa neun Kilometer östlich zum Frendendraught Haus sind. Bereits im Jahre 1203 wurde sein Grundstein gelegt. Weitere Anbauten jedoch erfolgten noch in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Hauptgebäude, das aus bis zu 2,70 Meter dicken Mauern besteht, wurde unter der mächtigen Familie Crichton, die zu diesem Zeitpunkt in dem Haus lebte, zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert erbaut. Die Familie beherrschte zu dieser Zeit, zusammen mit ihren Nachbarn, den Gordons und Leslies, den Nordorsten Schottlands. Blutige Feden mit rivalisierenden Clans gehörten damals fast zur Tagesordnung.

Haus Frendraught

 
1630 entflammte zwischen dem damaligen Gutsherren Sir James Crichton und Gordon, Laird of Rothiemay, ein Streit um die Grenzgebiete. Crichtons Frau Elizabeth Gordon war die älteste Tochter des damaligen Earl of Sutherland. Die Ehe der beiden war zur damaligen Zeit ein guter politischer Schritt. Denn die Gutsherrin spielte eine aktive Rolle in den Streitigkeiten ihres Mannes. Den Streit um die Grenzgebiete legte Sir James auf die für ihn typische Weise bei. Er erschoss seinen Rivalen. Der höchste Richter, der diesen Fall behandelte, war selbst ein Gordon, mit beiden Seiten eng verwandt und ließ Sir James lediglich eine hohe Geldstrafe bezahlen. Dieses Blutgeld bekam der junge John Gordon, der nun der neue Laird of Rothiemay war. Der Ehre war somit Genüge getan.

Im Hochsommer entbrannte ein weiterer Streit. Diesmal mit Leslie of Pitcaple. Als ein Crichton einem Leslie mit einem Pfeil den Arm durchbohrte, spitze sich die Lage zu. Der Fall kam wieder vor Gericht und landete wieder vor dem Richter Marquis of Huntly. In diesem Fall entschied der Richter jedoch für Sir James. Wutentbrannt ritt der verletzte Leslie davon und schwor Rache. Zur Vorsicht sammelte Sir James eine bewaffnete Gruppe, die ihn auf Frendraught zurück begleiten sollte. Unter ihnen waren überraschender Weise der Junge John Gordon of Rothiemay und der Sohn des Richters. Im Oktober erreichte die Gruppe ihr Ziel. Wohl aus Freude, ihren Mann unversehrt zurück zu haben, drängte die Gutsherrin sogar den ungeliebten Gordon darauf, über Nacht zu bleiben. Die Gäste wurden in einem alten Turm untergebracht.

   
Gegen Mitternacht brach plötzlich im Turm ein so gewaltiges und loderndes Feuer aus, dass mit einem Schlag der Ehrenwerte Viscount der Laird of Rothiemay, English Will, Colonel Ivat und andere, wie auch die Diener, die im 3. Stock ihr Gemach hatten, ums Leben kamen. Soviel sie auch um Hilfe riefen, niemand kam und wollte oder konnte Hilfe leisten. Etwa ein Dutzend Menschen kamen bei dem Feuer ums Leben.

Am 13. April 1631 tagte eine Kommission, welche vom geheimen Staatsrat aus Edinburgh zusammengestellt wurde, aus Bischöfen und neutralen Adeligen im Hause Frendraught. Die Bischöfe kamen letztendlich zu dem Schluss, dass das Feuer nicht zufällig, sondern planmäßig ausgebrochen sein musste. Die Ursache für das Feuer wurde bis heute nicht geklärt. Jedoch verdächtigte das Volk Lady Frendraught. In einem anonymen Bänkellied heißt es, dass der Turm abgeschlossen gewesen sei und der Schlüssel auf dem Grund eines Brunnens gelegen habe.

 

Richter Marquis of Huntly beschloss, seinen toten Sohn zu rächen, und vergaß dabei seine Unparteilichkeit. Er rekrutierte eine kleine Armee aus Männern aus dem Hochland und griff Frendraught an. Ebenso vertrieb er über 60 Rinder und einige Dutzend Schafe vom Grund. Crichton beschwerte sich beim Rat in Edinburgh und bekam Recht. Ihm wurde ein Schadensersatz zugesprochen und Huntly erwartete eine Geldstrafe. Trotz dieses Urteils schienen die Gutsherren nach dem Feuer verändert. Die Kirche von Forgue erhielt drei Jahre später von Sir James einen Kelch überreicht, bei dem es sich angeblich um einen der elf Kelche handeln sollte, die Maria Stuart, Königin von Schottland, einst ins Land brachte.

Lady Frendraught zog an den Fluss Deveron, in die Stadt Kinnairdy. Dorte lebte sie sehr zurückhaltend und wurde, weil sie der Gemeinschaft "Solemn League and Covenant" beitrat, von der Kirche als getaufte Katholikin exkommuniziert. Später als sie wieder dem Katholizismus beitreten wollte, wurde ihr dies verwährt. Sie starb somit ohne jeglichen kirchlichen Segen. Der genaue Todestag ist bis heute nicht bekannt. Sie wurde, wie auch ihr Mann, in einem nicht gekennzeichneten Grab beigesetzt.


 

1942 kam Alexander Gordon Morison, Laird of Bognie und Mountblairy, in den Besitz des Hauses. Geerbt hatte er den Familienbesitz und die Würde eines Clanoberhauptes von einem Onkel. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges zog er von da fort. Nicht aus Angst, sondern aus praktischen Gründen. Er wusste jedoch durch die Vorstellung einiger Leute, sowie Zeugnissen von Bewohnern, Gästen und seiner Frau, dass der Geist Lady Elizabeths durch das Haus spukt. Gebunden an das Haus durch das Feuer und ihre somit begangene Untat. Er war fest davon überzeugt, dass die Schuld des Feuers bei der damaligen Hausherrin lag. Er wollte sogar Dokumente gekannt haben, auf denen vermerkt war, dass bei Umbauarbeiten auf dem Hof der Ziehbrunnen entleert worden war und ein Schlüssel am Grund des Bodens gefunden wurde.


 
Sichtungen einer dunkelhaarigen Frau in einem weißen Kleid im Hause Frendraught gehen bis mindestens in das 18. Jahrhundert zurück. Ein viktorianischer Geistlicher soll dabei festgestellt haben, dass der Geist sowohl im Haus, als auch im umliegenden Buchenwald gesehen worden war. 1938 stand das Haus leer. William Thomas, später Direktor der Brennerei von Glendronough, war noch ein Kind, als er hinter dem Frendraugh Haus auf Krähen schoss. Als er dann einen Blick nach oben tat, konnte er im Fenster ein fahles, von dunklen Haaren umgebenes Gesicht erkennen. Es schien ihm, als würde er von der Person beobachtet werden, und rief einen Wächter herbei. Auch dieser konnte die Gestalt am Fenster sehen. Mit Schrotflinten bewaffnet betraten die beiden das Haus und durchsuchten alle Räume. Es wurde jedoch niemand gefunden, noch wies irgendetwas auf ein gewaltsames Eindringen in das Haus hin.

Etwa 10 Jahre später im Oktober, begegnete Yvonne Morisson dem Gespenst. Sie stand allein im ältesten Raum des Gebäudes, in der Küche im Erdgeschoss. Plötzlich konnte sie Schritt hören die von der Treppe, die ins Obergeschoss führt, kamen. Trotz ihrer Angst begab sich Yvonne zum Treppenansatz und versuchte im Dunkeln etwas zu erkennen. Sie dachte, vielleicht hatte sie es auch laut ausgesprochen, die Person solle doch stehen bleiben, wenn es sie wirklich gäbe. Und tatsächlich stoppten die Schritte.

Gäste, die bei den Morrisons zu Besuch waren, brachen ihren Besuch abrupt und vorzeitig ab weil sie sich aufgrund von mysteriösen Störungen im Hause nicht wohl fühlten. So war z.B. in einer Nacht eine heftige Auseinandersetzung zu hören. Die Gäste vermuteten die Eheleute würden sich zanken. Als diese jedoch darauf aufmerksam machten, dass die Wände zwischen den Zimmern 2,40 dick und absolut Schalldicht seien, wurden die Gäste unruhig.

Die Treppe im Hause Frendraught

 
Sie erzählten, dass laute Hilferufe und Schreie zu hören waren und es mehrmals knallte, als würden schwere Möbelstücke durch das Zimmer geworfen werden. Vor lauter Schreck trauten sie sich nicht nach dem Rechten zu sehen. Auch die späteren Pächter des Hauses Frendraught hatten mehrfach auf der Haupt- oder Hintertreppe des Hauses, eine dunkelhaarige Frau in weißen Kleidern gesehen.

 
Ein Ahnenforscher meinte, dass Lady Elizabeth eher zu bedauern wäre, anstatt sie anzuklagen. Er ist der Ansicht, ihre Tat das Feuer zu legen wäre durch einen Fluch hervorgerufen worden, der von dem silbernen Kelch ausging, den Sir James der Kirche übergab. Er ist sich nach seinen Forschungen fast sicher, dass es sich bei dem Kelch tatsächlich um einen der elf Kelche handelt, den Königin Maria Stuart nach Schottland brachte. Trotz ihres katholischen Glaubens wären die Crichtons doch eine eher gottlose Familie. Der Ahnenforscher ist weiters der Ansicht, dass Sir James den heiligen Kelch für profane Zwecke nutzte, so zum Beispiel seinen Schnaps aus ihm trank. Er musste auch davon überzeugt sein, dass er und seine Familie verflucht wurde, und gab reumütig und fromm den Kelch der Kirche zurück.



Bild links: Der Kelch den Sir James an die Kirche übergab