Die Gesichter von Belmez

   

Belmez, ein 2000-Einwohner-Dorf in Andalusien. Seine berühmteste Einwohnerin, Maria Gómez, starb Anfang 2004 im Alter von 85 Jahren. In ihrem Haus sind sie erschienen: die geheimnisvollen Gesichter, die die Menschen seit 34 Jahren in das Dorf locken. Und die bisher niemand erklären kann.

 
Als Maria Gomez beerdigt wurde dachte jeder in Bermez: Jetzt ist der Spuk vorbei. Dem war aber nicht so. Die seltamen Ereignisse in dem kleinen Dort hörten nicht auf. August 1971 fing alles an und zwar in dem kleinen Häuschen von Maria Gomez. Am 23 August ruft Maria Gomez ihre Nachbarin zu sich. Und auch sie konnte sehen was kurz zuvor vor den Augen auf Maria Gomez auftauchte. Ein Gesicht.

 
Maria Gómez war das alles unheimlich. Zuerst versuchte sie es mit Putzen und Schrubben. Aber das Gesicht, das sich im Laufe der Zeit veränderte, war nicht wegzukriegen. Ihr Sohn riss den Boden raus, schüttete neuen Zement auf. Doch dasselbe Gesicht erschien wieder, an derselben Stelle wie vorher. Und dann tauchten weitere Gesichter auf. Manche blieben, andere verschwanden wieder. Jeder im Dorf wollte sie sehen. Die Familie Gómez musste mit dem ständigen Kommen und Gehen der Menschen fertig werden, manchmal von morgens sechs bis nachts um eins.

Jahrzehntelang kamen Forscher aus aller Welt hierher. Sie entnahmen Bodenproben, untersuchten die Gesichter im Labor und gruben bis zu drei Meter tief. Dabei stießen sie auf Überreste von menschlichen Knochen. Es stellte sich heraus: Marias Haus steht auf einem Friedhof aus dem 15. Jahrhundert. Eine schaurige Geschichte, die auch heute noch hunderte Besucher in Marias Haus lockt. In all den Jahren fand kein Forscher eine wissenschaftliche Erklärung für die Gesichter. Im Laufe der Zeit verloren Maria und ihre Familie die Angst vor den Gesichtern.

 
Hat da jemand nachgeholfen, fragen sich viele Besucher? Dem widerspricht Pedro Amoroz, ein Informatiker, der sich seit Jahren mit Parapsychologie befasst: "Es ist kein Betrug festgestellt worden. Obwohl viele Untersuchungen von wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Obersten Wissenschaftsrat durchgeführt wurden. Man hat weder Stickstoffverbindungen noch Farben entdeckt. Nichts." Die weit angereisten Besucher diskutieren immer wieder die Frage, ob gar Hexen oder Geister mit im Spiel sind.
   
Die Bewohner von Belmez aber spekulieren schon lange nicht mehr über das "Warum" der Gesichter. Gelassen blickt man hier auf das, was man eben nicht erklären kann. Dabei sind jetzt neue Gesichter aufgetaucht, in einem anderen Haus. Auch das scheint hier niemanden aufzuregen, meint die Bürgermeisterin Maria Rodriguez: "Überrascht waren wir schon, denn viele Forscher hatten gesagt, die Gesichter würden mit Marias Tod verschwinden. Also haben wir nie dran gedacht, dass Gesichter in einem anderen Haus auftauchen könnten." Die neuen Gesichter erschienen übrigens im Geburtshaus von Maria.
 
Wieder gab es Untersuchungen. Pedro Amoroz hat schon Dutzende von Gesichtern gesehen, sogar, während sie entstanden. Aber das, was ihm in diesem Zimmer im Geburtshaus von Maria Gómez passiert sei, sagt er, übertreffe alles, was er bisher erlebt habe: "Ich hatte noch nie so viel Angst wie in diesem Haus. Ich glaube, dieses Haus ist verzaubert. In diesem Haus passieren ganz seltsame Dinge. Ich habe deutlich gesehen, wie ein Stuhl sich alleine über den Flur bewegte, ohne dass ihn jemand anfasste. Oder ich habe gesehen, wie Sachen runterfielen, ich habe in bestimmten Räumen Stimmen gehört, mitten in der Nacht, und ich habe einen Kollegen gesehen, schwerelos."

Für die Besichtigung des Hauses nimmt die Familie von Maria nur Spenden entgegen, kein Eintrittsgeld. Es gibt in dem Haus noch nicht einmal eine Postkarte, geschweige denn andere Souvenirartikel von den Gesichtern zu kaufen. Das Dorf benannte eine Straße nach Maria Gómez und machte sie zur Ehrenbürgerin. Marias Vermächtnis: die Gesichter von Belmez.