Das Turiner Grabtuch

 
Wenn man vom Grabtuch von Turin spricht, meint damit ein helles Leichentuch das 4,34 m lang und 1,09 breit ist. Auf dessen Vorder- wie auch Rückseite ist ein lebensgroßer blasser Abdruck zu erkennen, der dem eines gekreuzigten Mannes ähnelt. Über viele Jahrhunderte hinweg glaubten viele der Menschen daran, daß es sich um das Grabtuch handelt in das der Leichnam Jesu Christi eingewickelt wurde und es sein Anlitz sei daß man auf dem Grabtuch sehen könne.

Die Geschichte des Turiner Grabtuchs beginnt bereits 1353. Hier stellte der ehemalige Besitzer, Ritter Geoffrey de Charny I., das Grabtuch in Frankreich aus. Er gab es später seiner Enkelin Marguerite weiter die es wiederum 1453 dem Herzog Ludwig von Savoyen gab. Als es 1532 in einer Kapelle, in der das Grabtuch von seinen Besitzern verwahrt wurde, in Brand geriet, wurde das Grabtuch beinahe zerstört. Heute zeugen noch einige Brandzeichen von diesem Schicksal. 1578 wurde das Grabtuch einer Kathedrale in Turin überreicht und wird hier einem aus dem 17. Jahrhundert reichgeschmücktem Altar verbahrt.

Wenn man das Tuch betrachtet ist die Vorder- und Rückseite eines Mannes darauf zu erkennen. Wenn auch nicht sehr deutlich. Womöglich war dies der Grund daß die Wissenschaft bis 1898 wenig Interesse an dem Grabtuch zeigte. Die ersten Fotos des Tuches entstanden durch Secondo Pia. Ihre Bilder riefen große Aufregung auf der ganzen Welt hervor. Das Anlitz des Mannes war seither nicht mehr nur schwach zu erkennen, sondern durch die Negativen der Fotos konnten tatsächliche detailierte Einzelheiten erkannt werden. So zum Beispiel daß es sich bei dem Mann tatsächlich um einen Gekreuzigten handeln musste. Die blutigen Stellen, an Händen und Füssen, durch die die Nägel geschlagen wurden waren deutlich zu erkennen. Desweiteren wurden Striemen auf dem Rücken entdeckt die sehr wohl von den Peitschenschnüren, wie sie zur Zeit Jesu von den Römern benutzt wurden, stammen könnten. Auch blutige Abdrücke von einem womöglichen Dornenkranz, den Jesu Christi quer über die Stirn trug sowie eine Einstichstelle die von einer Spitzwaffe stammen könnten, sind deutlich zu erkennen.

Das Anlitz des Mannes deutet auf einen großen schlanken Mann hin der einen Bart hatte und zwischen 30 und 40 Jahre alt gewesen sein musste. Von nunab war für viele klar das es sich hierbei tatsächlich um das Grabtuch handeln musste in das Jesus eingebunden war. Aber wie gelangte das Grabtuch nach Europa?

 
Der Forscher Ian Wilson aus Oxford war der Ansicht daß es sich bei dem Turiner Grabtuch um ebensolch eine rätselhafte Reliquie handle wie das sogenannte Schweißtuch. Ein kleineres Stück Stoff auf dem ein wunderbares Abbild von Jesus Gesicht zu erkennen war. Die Vermutungen verlaufen sich darauf daß das Tuch von Jerusalem über Edessa nach Konstantinopel gebracht wurde, aber bei den Plünderungen der Kreuzritter 1204 zerstört wurde. Wilson ist der Ansicht, daß es sich bei dem Schweißtuch tatsächlich um das dreifach gefaltete Grabtuch Jesus gehandelt habe und auf dem oberen Teil das Gesicht zu sehen war. Wilson ist jedoch davon überzeugt daß das Tuch nicht zerstört wurde sondern in die Hände von de Charny geriet. Dieser soll das Schweißtuch aufgebreitet haben daß es sich in ein Grabtuch "verwandelte". Die Theorie mag interessant klingen, aber dennoch existiert auch die Möglichkeit daß es sich bei dem Schweißtuch um eine völlig eigenständige Reliquie handelte. Nämlich die des Tuches welches nach Jesus Tod am Kreuz auf dessen Gesicht gelegt wurde.

Mit Erlaubnis der katholischen Kirche wurde das Turiner Grabtuch 1988 wissenschaftlich untersucht, mit einem Ergebnis das bestätigte daß es sich bei dem Grabtuch und dem Schweißtuch um zwei völlig verschiedenen Gegenstände handelte. Kleine Teile des Tuches, die aus ihm herausgeschnitten wurden, wurden an 3 unterschiedliche Labors geschickt um das Alter des Tuches zu bestimmen. Alle 3 Laborteams waren sich zweifelsfrei einig daß das Tuch aus einer Zeitspanne von 1260 - 1390 n. Chr. stammen müsse. Somit kann es sicher hierbei eindeutig nicht um das Grabtuch von Jesus Christus handeln. Es stammt somit aus einer Zeit des Mittelalters, was auch erklärt warum vor dem 13. Jahrhundert nicht darüber berichtet wurde. Was die Untersuchungen jedoch nicht Preis geben konnten war, wann oder wie das Abbild auf dem Grabtuch zustande kam.

Bereits in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten wissenschaftliche Analysen feststellen, daß das Abbild auf dem Tuch dreidimensional war, und daß es entstand da es wohl um einen Leichnam gewickelt wurde. Bei einem aufgemalten Bild wäre der Abdruck durch das Tuch durchgedrungen, was aber nicht der Fall ist, sondern der Abdruck ist lediglich auf der obersten Faserschicht zu finden.

 
Es ist vorallem sehr erstaunlich daß das Abbild im Negativ noch viel deutlicher zu erkennen ist als im Positiv. Somit kamen Lynn Picknett und Clive Prince zu der Annahme das es sich bei dem Tuch um ein sehr frühes Experiment der Fotografie handeln könne. Durchgeführt haben könnte das niemand anders als Leonardo da Vinci. Sie sind der Ansicht das Leonardo da Vinci, als Mitglied der Sekte Priorat von Zion, und seinem Interesse an Optik ihn dazu veranlasst hätten das Grabtuch von Turin als Reliquie zu erschaffen, um sich so über den christlichen Glauben, an die Auferstehung Jesu, lustig zu machen. Um die Reliquie herzustellen soll er ein jahrhunderte altes Leinentuch genommen haben welches er über einen Leichnam legte, dem er peinlich genau die Male Jesus zufügte. Mit Materialen und Techniken die ihm damals zur verfügung standen und ihm gute fotografische Ergebnisse lieferten, soll er dann das Bildnis geschaffen haben. In einem Selbst-versuch von Picknett und Prince konnte bestätig werden daß diese Technik tatsächlich möglich gewesen wäre. Das größte Sakrileg da Vinci´s war jedoch daß er über den Abdruck des gekreuzigten Leinamas sein eigenes Gesicht legte. Die Ähnlichkeit des Gesichts da Vinci´s und der Abbildung auf dem Turiner Grabtuch, sind tatsächlich erstaunlich ähnlich. Somit würde diese Theorie auch erklären warum das Gesicht, wie vielfach bemerkt wurde, so losgelöst wirkt.

 
Trotz vielerlei Untersuchungen zweifeln noch viele an der Theorie oder überhaupt das es sicht nicht um das Grabtuch Jesu handeln solle. Einige von ihnen meinen daß es sich nur um das Gesicht Jesus handeln könne und es durch göttliche Energie zum Zeitpunkt seiner Auferstehung geschaffen wurde. Auch der Hochenergiephysiker Dr. Thomas Phillips zweifelte an der Richtigkeit der Ergebnisse, die nach der Radiokarbonmethode, zur Bestimmung des Alters des Tuches, veröffentlicht wurden. Er ist der Ansicht das der Körper, der in das Tuch eingewickelt wurde, Energie abgestrahlt hätte, wodurch das Abbild zu stande gekommen sei. Der hierbei entstandene Neutronenausstoss hätte somit die Datierung beeinflusst.

Selbst heute sind sich weder Wissenschaftler noch Gläubige einig worum es sich bei dem Grabtuch von Turin wirklich handelt. Es werden mit Sichheit noch weitere Untersuchungen und Mutmaßungen in den nächsten Jahren bevorstehen. Doch ob sich das Rätsel jemals lösen lässt ist eine ganz andere Frage.