Luzide Träume | Klartraum
 
Ein Klartraum oder auch luzider Traum (von lat. lux „Licht“) ist ein Traum, in dem der Träumer sich bewusst ist, dass er träumt. Die Theorie des luziden Träumens geht davon aus, dass sowohl das bewusste Träumen als auch die Fähigkeit zum willentlichen Steuern von Trauminhalten erlernbar sind.

Die Erfüllung der Bedingungen eins bis vier ist für Tholey unerlässlich, fünf bis sieben können erfüllt sein. Der Aspekt, dass der Träumer Klarheit über den Sinn des Traumes hat, stellt für Tholey den wirklichen „Königsweg“ (in Anspielung an Sigmund Freuds Traumdeutung) zum Unbewussten dar. Zur besseren Differenzierung anhand der Begrifflichkeit wird auch von prä-luzidem Traum gesprochen, wenn zwar ein erster Ansatz von Klarheit vorhanden ist, dieser jedoch nicht den ersten vier Bedingungen genügt. So kann ein Träumer sich durchaus die Frage stellen, ob er denn träume, jedoch „fängt“ ihn der Traum wieder ein und der Ansatz der Klarheit verschwindet.

Auftreten und Abgrenzung
Paul Tholey präzisiert den Unterschied zwischen gewöhnlichen Träumen und Klarträumen anhand von sieben Merkmalen:
Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
Es besteht Klarheit über das Wachleben, also wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Durch das Bewusstsein über den eigenen Traumzustand ist es möglich, in bestimmten Grenzen in den Traum einzugreifen und planvoll im Traumgeschehen zu handeln. Es sind dann nicht nur die eigenen Handlungen kontrollierbar, sondern auch die Traumumgebung und die Traumfiguren. Die Wahrnehmung der Traumhandlung reicht dabei von verschwommen und unzusammenhängend, über realistische Wahrnehmung bis hin zu realistischer als die Realität selbst (im Sinne von verstärkten Sinneseindrücken). Allerdings kann der Träumer keine komplizierten Aufgaben wie etwa mathematische Berechnungen erledigen. Ob diese Beschränkungen zu überwinden sind, ist Teil der aktuellen Forschung; die Existenz von Klarträumen wurde jedoch bereits wissenschaftlich erwiesen.

Das Wissen um das klare Träumen ist kaum verbreitet. Vielmehr gehen die meisten Menschen davon aus, dass sie nicht in ihre Träume eingreifen können. Manche erleben spontan Klarträume. Andere bedienen sich verschiedenster Techniken (s.u.), jedoch gibt es trotz intensiver Forschung bis heute kein Patentrezept, um Klarträume sicher hervorzurufen. Auch ist der Zeitraum zwischen Beginn der Klartraumversuche und ersten Erfolgen individuell sehr unterschiedlich. So berichtet Tholey von Erfolgen innerhalb weniger Tage aber auch erst nach mehreren Wochen kontinuierlichen Übens. Manch einer hat auch mangels Geduld vorzeitig abgebrochen.

Klarträume werden überwiegend in der REM-Phase des Schlafs beobachtet. Es liegen jedoch auch Berichte aus den sogenannten Non-REM- oder auch NREM-Phasen vor Methodisch sind luzide Phasen im REM-Schlaf eher nachweisbar. Der Klarträumer hat die Möglichkeit, mit den Augen, deren Muskeln im Gegensatz zu allen anderen Muskeln des Körpers im Klartraum willkürlich steuerbar sind, vor dem Traum vereinbarte Bewegungen durchzuführen und damit den luziden Zustand zu signalisieren. Menschen, die gezielt Klarträume erleben können, werden auch Oneironauten genannt.

 
Auftreten
Klarträume sind wohl einer größeren Anzahl von Personen zugänglich. So gibt es individuelle Berichte aus unterschiedlichen Lebensphasen von Träumern, in denen ein einzelner, meist prä-luzider Traum auftrat. Weiterhin berichten Personen über regelmäßige Klartraumerlebnisse u.a. seit ihrer Kindheit bzw. Jugend.

Um eine Antwort auf die Frage, wie viele Menschen bereits Erfahrungen mit luziden Träumen hatten, zu finden, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Studien durchgeführt. Ergebnisse über Befragte, die mindestens einen Klartraum in ihrem Leben hatten, liegen zwischen 26% und 82%. Diese Bandbreite kann durch die unterschiedliche Auswahl beim befragten Personenkreis (Zufallsstichprobe, Interessierte, Studenten u.a. der Psychologie) wie auch durch die Definition des Klartraums (u.a. Abgrenzung zum prä-luzidem Traum) erklärt werden. Auch die individuelle Häufigkeit von luziden Träumen umfasst eine große Streuung. Schredl und Erlacher haben 2004 in einer Studie Angaben von 444 Psychologiestudenten (85% Frauen und 15% Männer; Alter: Anfang 20) ausgewertet. Das Ergebnis ist in der Tabelle dargestellt.
Auftreten Anteil
nie 18,0 %
weniger als einmal im Jahr 7,5 %
etwa einmal im Jahr 10,9 %
etwa 2-4 Mal im Jahr 26,7 %
etwa einmal im Monat 16,2 %
2-3 Mal im Monat 10,3 %
etwa einmal die Woche 8,0 %
mehrmals die Woche 2,5 %

 
Falsches Erwachen
Beim sogenannten falschen Erwachen nimmt der Träumer an, dass er aus seinem Traum in den Wachzustand erwacht sei. Dies trügt, da nur ein Wechsel in einen anderen Traum stattgefunden hat. Berichte über falsches Erwachen scheint es überwiegend bei Klarträumern zu geben. Dieses Phänomen wird oft als Schutzfunktion des Traums interpretiert, um dem Klarträumer wieder die Klarheit über den Traumzustand zu nehmen, damit dieser den Traum nicht bewusst steuert. So kann es auch vorkommen, dass falsches Erwachen mehrmals direkt zeitlich dicht hintereinander auftritt.

Falsches Erwachen (auch mehrfaches) ist ein sehr beliebtes filmisches Mittel, welches insbesondere in Horrorfilmen den Zuschauer auf eine falsche Fährte locken, alternative Handlungsstränge andeuten und Angst erzeugen soll.

 
Psychologische Betrachtungsweise
Der Umstand, dass die Umgebung im Klartraum so realistisch wirkt wie die Umgebung in der Wachwelt, erfordert eine klare Abgrenzung beider Welten. In Anlehnung an die Gestalttheorie benutzt Tholey ein erkenntnistheoretisches Modell einer Handlungstheorie, das sich an einen erkenntnistheoretischen Dualismus anlehnt, um die Sensorik (Wahrnehmung und Handlung) in einem sensomotorischen Ansatz zu beschreiben. Dieses kritisch-realistische Modell ist Ausgangspunkt zur Unterscheidung zwischen einer physikalischen Umwelt und einer phänomenalen Erlebnis- oder Wahrnehmungswelt. Letztere umfasst die sinnliche Wahrnehmung der physikalischen Umwelt, aber auch das eigene Körper-Ich. Repräsentiert wird die physikalische Umwelt in diesem Modell im sogenannten Psychophysischen Niveau, kurz PPN, wohin alle Sinneseindrücke gelangen und ausgewertet werden. Das PPN ist ein vernetztes System verschiedener Großhirnbereiche, das nicht fest lokalisiert ist und hypothetisch angenommen wird.

Im Wachzustand wird aus den verschiedenen Sinneseindrücken die phänomenale Welt als Abbild der physikalischen Welt gebildet. Aus Bewegungsabsichten werden gewünschte Bewegungen in korrespondierende Bewegungen des Körpers umgesetzt. Diese Bewegungen werden wiederum über die Sinne zum PPN zurückgemeldet. Zwischen physikalischer und phänomenaler Welt wird hierdurch ein sogenannter sensomotorischer Regelkreis etabliert.

Im Traumzustand wird dieser Regelkreis aufgebrochen. Die phänomenale Welt ist kein Abbild mehr der physikalischen Welt. Bewegungsabsichten werden dann auch nicht mehr in korrespondierende Bewegungen des physikalischen Körpers umgesetzt. Das bedeutet, dass physikalische Grenzen überschritten werden können, da es in der phänomenologischen Welt keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Wach- und Traumerleben gibt.

Für Tholey ist auf dieser Grundlage eine psychologische Erklärung des luziden Träumens möglich. Im Bewusstsein des kritischen Klarträumers haben die physikalischen Begebenheiten während eines Klartraums Priorität gegenüber den phänomenalen, der Klarträumer weiß, dass er in der physikalischen Welt schläft. Tholey formuliert vereinfacht: das Traum-Ich vergisst das Schläfer-Ich nicht. Alles, was unmittelbar erscheint, ist grundsätzlich immer Bestandteil der eigenen phänomenalen Welt. So wie im Wachzustand über sensomotorische Regelkreise vom PPN in die physikalische Welt eingegriffen werden kann, kann vom Klartraumzustand aus verändernd auf die innere, phänomenale Welt eingewirkt werden.

 
Außerkörperliche Erfahrung
Als außerkörperliche Erfahrung wird ein bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesener Zustand verstanden, bei dem sich der Betroffene als außerhalb des physischen Körpers wahrnimmt. Personen, die von der Existenz dieses Phänomens überzeugt sind, glauben an die Möglichkeit, dass aus einem luziden Traum heraus eine solche Erfahrung eingeleitet werden könne. Celia Green und Charles McCreery von der Universität Oxford beschreiben in ihrem Buch entsprechende Erfahrungsberichte. Ihre Forschungen legen nahe, dass „außerkörperliche Wahrnehmungen“ - ebenso wie Visionen, Halluzinationen, bestimmte Drogenerfahrungen und ekstatische Zustände - von ähnlichen physiologischen Ausprägungen wie luzide Träume begleitet werden. Unstrittig ist, dass der Traum-Körper im Klartraum „verlassen“ werden kann. Zumindest in dieser Hinsicht besteht eine Form der „außerkörperlichen Erfahrung“.
 

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