Flüche und Verwünschungen
Auch heute gibt es noch Berichte über Menschen, die von anderen Verwünscht oder Verflucht wurden und als Folge dessen starben. Welche Enthüllungen zur Wissenschaft gibt es gegenüber diesem Phänomen?

   
Das Flüche nicht harmlos sind, sondern tatsächlich wirken, beweist das Schicksal des Nachtclubbesit-zers Finis Ernest. Eines Tages wurde er nach einem schweren Asthmaanfall in das Vertran´s Administration Hospital in Oklahoma City gebracht. Zwar konnte er das Krankenhaus kurz darauf wieder verlassen, doch nach sechs Monaten wurde er erneut eingeliefert - dieses Mal wegen Krämpfen. Da die Ärzte nichts fanden und Ernest völlig genesen zu sein schien, wurde er entlassen. Zwei Tage später war er nach Luftringend und dem Tode nahe wieder in der Klinik. Zwar erholte er sich auch dieses Mal körperlich relativ schnell, litt
jedoch an einer tiefen Depression.

Dr. ]ames Mathis machte sich Gedanken über diesen Patienten und befragte ihn etwas näher zu seinen Lebensumständen. Bald schon stellte sich heraus, dass die Krankheitszustände des Mannes immer unmittel- bar nach einem Besuch bei seiner Mutter aufgetreten waren. Dieses Mal wurde Ernest nur unter der Bedingung aus dem Hospital entlassen seiner Mutter keinen Besuch abzustatten. Der Patient willigte ein, doch kurz nachdem er die Klinik verlassen hatte, fand man ihn nach Luftringend auf - bereits eine halbe Stunde später war Ernest tot.

 
Fluch der Mutter

Dr. Mathis war fest entschlossen den mysteriösen Tod seines Patienten zu untersuchen. Er erfuhr, dass Emests Vater früh starb. Der Heranwachsende war fortan der Willkür seiner überaus dominanten Mutter ausgeliefert. Die Mutter war zudem Teilhaberin des florierenden Nachtclubs, den Finis Ernest betrieb. Als er eines Tages ein lukratives Angebot bekam, beschloss er den Club zu verkaufen. Seine herrsch-süchtige Mutter war damit allerdings nicht einverstanden und stieß wüste Drohungen gegen ihren Sohn aus. »Wenn du das tust, wird dir etwas Schreckliches passieren«, warnte sie ihn.

Bereits zwei Tage später wurde Ernest von einem Asthmaanfall niedergestreckt, wollte sich jedoch von dem Verkauf nicht abbringen lassen. Seine Mutter setzte indessen ihre Drohungen fort und Ernests Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Gegenüber Dr. Mathis hatte er geäußert, die Unfähigkeit der Ärzte ihm zu helfen habe ihn zu der Überzeugung gebracht, dass die Magie seiner Mutter unfehlbar sei. Dr. Mathis erfuhr außerdem, dass Ernest die Mutter kurz vor seinem Tod noch angerufen hatte um ihr mitzuteilen, dass er das Geld aus dem Verkauf in ein neues Geschäft investieren wollte, an dem er sie nicht beteiligen werde. Frau Ernest wies ihn nochmals auf die »schrecklichen Folgen« hin, zu denen seine Handlungen führen würden - und noch in derselben Stunde war ihr Sohn tot. Dr. Mathis schloss daraus, dass es sich bei Ernests Fall um eine »verfeinerte Form des Voodoo-Todes« handelte, bei dem Menschen auf grund einer Verwünschung oder einer Verhexung den Tod finden.
 
Fakt: Tod aus Angst

Ein Foschungsteam an der Jon Hopkins Medical School in Baltimore, USA, führte mehrere Experimente mit Ratten durch um zu testen, warum ein vehextes Opfer den Lebenswillen aufgibt.

Das von Curt Richter geleitete Team wählte eine wilde Rattenart aus Norwegen, die für ihnren starken Über-lebensinstinkt bekannt ist. Zunächst wurden einige Ratten in einen Eisenkäfig gesperrt und dann in einen Krug mit warmem Wasser gelassen. Da die Ratten keine Möglichkeit zur Flucht sahen, gingen sie kurz darauf an "vagaler Inhibition" ein - dem-selben physioloigschen Prozess, der auch ein verwünschtes menschliches Opfer tötet.
   
Befreite man die Ratten jedoch aus dem Käfig oder dem Krug und setzte sie dann wieder hinein, starben sie nicht. Die Ratten überlebten, so die Forscher, weil sie die Erfahrung gemacht hatten, dass sie entkommen konnten. Sie waren auf diese Weise davor gefeit, aus Todesangst zu sterben.
 
Jenseits des Glaubens

Die Vorstellung jemanden durch die Erweckung dämonischer Kräfte zu töten - eine Praxis, die bis in die ältesten Religionen zurückreicht - wird von der akademischen Wissenschaft im Allgemeinen als irrationaler Unsinn abgetan. Tatsache ist jedoch, dass Hexerei auch heute noch in vielfältigster Form und in jedem Kulturkreis überall auf der Welt praktiziert wird. Es sind inzwischen so viele Todesfälle durch Verhexungen dokumentiert, dass dieses Phänomen nicht länger bezweifelt werden kann.
   
Nach Meinung der Forscher hängt die Wirksamkeit eines Fluches nicht mit den übernatürlichen Kräften der Person zusammen, die den Fluch ausspricht, sondern mit der geistigen Haltung des potenziellen Opfers.

Eine Theorie über die Wirkung von Flüchen und Verwünschungen wurde aus Beobachtungen von Ärzten abgeleitet, die während des Ersten Weltkriegs verwundete Soldaten behandelt hatten. Traumatisiert von den entsetzlichen Erlebnissen an der Westfront starben viele Soldaten an einem Schock. Körperlich waren sie völlig unversehrt.

Ärzte, die mit Voodoo- Todesfällen zu tun hatten, glauben, dass ein ähnlicher psychologischer Prozess - die so genannte »vagale Inhibition« stattfindet, wenn ein Opfe! zu Tode »gehext« wird. Zu Beginn bewirkt die durch den Fluch erweckte Angst beim Opfer Panik, was eine Über- stimulation des adrenalen Systems auslöst. Gibt das Opfer die Hoffnung auf, kommt es zu einer umgekehrten Reaktion: Herzschlag und Atmung werden langsamer, der Blutdruck sinkt dramatisch und kurz darauf tritt der Tod ein.

 
Gedanken sind Kräfte

Einer anderen Theorie zufolge spielt die Suggestivkraft eine entscheidende Rolle. Die Wahrscheinlichkeit durch eine Verwünschung zu sterben hängt stark davon ab, ob das Opfer positiv oder negativ eingestellt ist. Stanford Cohen, ein Psychologe an der amerikanischen Boston University, untersuchte zahlreiche Voodoo-Todesfälle. Er hält Hexerei für tödlich, wenn sie beim Opfer eine Mischung aus Furcht und Hilflosigkeit bewirkt und dadurch einen negativen Gefühlszustand, den so genannten »Resignationskomplex«, bewirkt. Ebenso wie Patienten, bei denen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wurde und die sich oft in ihr Schicksal ergeben und resignieren, kann auch das Opfer eines Fluches seinen Lebenswillen einfach deshalb verlieren, weil es davon überzeugt ist, dass ihm der Tod gewiss ist.

Die Tatsache, dass Angst den Menschen so stark beeinflussen kann, ließ manche Forscher zu dem Schluss kommen, eine Todesverwünschung sei nur dann wirksam, wenn das Opfer davon weiß und zudem daran glaubt, dass es zum Tode verurteilt ist. Nach Professor Gottlieb Freisinger von der John Hopkins University, Baltimore, »müssen in einer Gemeinschaft erst spezielle Umstände und Glaubensvorstellungen herrschen, bevor ein Individuum durch Hexerei zu Tode kommen kann«.
Sind diejenigen, die nicht daran glauben, also immun gegen Todesverwünschungen? Einige Forscher haben die Aufmerksamkeit auf ­wenn auch anekdotische - Beweise gelenkt, denen zufolge ein kultureller Hintergrund und Glaube nicht unbedingt eine Barriere für die Wirksamkeit eines Fluches darstellen.

 
Die Rache der Witwe

Zu den zahlreichen Berichten von »Außenstehenden«, die verhext wurden, gehört der Fall von Colonel Robert Heinl und dessen Frau. Von 1958 bis 1963 war Heinl als Leiter der US-Marine-Mission auf Haiti stationiert. Seine Frau befasste sich in dieser Zeit mit dem Studium des Voodoo-Kultes, der wichtigsten Religion auf der Insel. Nach der Rückkehr in die USA schrieb das Ehepaar das Buch "Written in Blood" in dem es Kritik an der in Haiti herrschenden Dynastie von Francois »Papa Doc« Duvalier übte. Nach dem Tod des Diktators imJahre 1971 erfuhr das Ehepaar, dass Duvaliers Witwe Simone das Buch, das immer noch verkauft wurde, mit einem Fluch hatte belegen lassen.

Die Heinls, die sich selbst als Skeptiker bezeichneten, waren über die Publicity, die die Nachricht über den Fluch erzeugt hatte, erfreut. Die Freude schlug jedoch in Verzweiflung um, als sie von einer ganzen Reihe von Katastrophen heimgesucht wurden. Ihre Unglücksserie erreichte am 5. Mai 1979 einen tragischen Höhepunkt, als Colonel Heinl während eines Urlaubs auf der in der Nähe von Haiti gelegenenen Insel St. Bartholemy einer Herzattacke erlag.

Skeptiker würden die Kette unglücklicher Ereignisse dem zufall zuschreiben, Heinl Witwe indessen ist der Ansicht, das Voodoo-Glaubenssys-tem die eigenen kulturellen Werte des Ehepaares bereits stark unterminiert habe, ohne dass es s ich dessen bewusst geworden war.

 
Ungelöstes Rätsel

Bestätigt die von dem Ehepaar Heinl gemachte Erfahrung die starken magischen Kräfte der Hexen und der Hexenmeister? Oder handelte es sich nur um einen Falle, in dem das Opfer völlig unbewusst zum Spielball seiner eigenen Ängste geworden ist? Niemand kann dies mit Sicherheit sagen. Wenn aber die Theorie einiger Wissenschafter zutrifft, dass es s ich bei Todesverwünschungen nicht um äußerlich ange-wandte Magie handelt, sondern um die Macht ein Opfer zu töten, indem man seinen Geist manipuliert, wirft dies eine neue Frage auf: Woher hat der Geist die Kraft den Körper, dem er innewohnt, zu schädigen oder zu zerstören?
 
Kulturelle Bedingungen

Wade Davis (rechts), Experte auf dem Gebiet der Ethnobiologie (einer Wissenschaft, die sich damit befasst, wie kulturelle und biologische Faktoren das menschliche Verhalten beein-flussen), hat das Phänomen des Voodoo-Todes eingehend studiert. in den Büchern "The Serpent and the Rainbow" und "Passage of Dark-ness" betont er, dass soziale und kulturelle Ewartungen die Kraft eineer Todesverwünschung verstärken.

"Bei den australischen Aborigines ist das Opfer einer Todesverwünschung, solange es noc lebt, eine Bedro-hung der bestehenden Ordnung" so Davis. "Freunde und Familienangehörige trauern offen vor der Person, so als ob sie schon tot sei, und ziehen sich von ihr zurück" Auf Haiti entdeckte Davis auch , das Zombieopfer - also lebende Tote - eine ähnliche Form sozialer Ablehung erfahren: "Obwohl das Opfer physisch noch lebt, stirb es psychologisch und ist gesellschaftlich bereits tot" berichtet Davis.