Nessie - Das Monster von Loch Ness
Das Ungeheuer von Loch Ness, oft auch Nessie genannt, ist ein Tier oder eine Gruppe von Tieren, die in Loch Ness, einem großen See in Schottland in der Nähe der Stadt Inverness, leben soll. Nessie wird normalerweise als Seeschlange bezeichnet. Andere Quellen vermuten in Nessie einen überlebenden Plesiosaurus. Beschrieben wird das Tier mit einer Länge bis zu 9 m. Zusammen mit Bigfoot und Yeti ist Nessie wahrscheinlich das bekannteste Mysterium der Kryptozoologie. Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen Mythos handelt.

Die meisten Wissenschaftler und sonstige Experten finden die aktuellen Beweise für Nessies Existenz unglaubwürdig und erklären sich solche Berichte als Falschmeldungen oder Fehlbestimmungen von gewöhnlichen Tieren.
 

Regional ist der Mythos zu einer enormen Einnahmequelle geworden, da der See heute eines der Hauptziele für den Tourismus in Schottland ist. Während der Saure-Gurken-Zeit tritt das Ungeheuer regelmäßig als Schlagzeile in der Presse auf.

   

Angebliche Sichtungen
Geschichten über ein Monster oder Tier, welches im Loch lebt sind über viele Jahrhunderte im Umlauf gewesen, obwohl viele deren Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Die Einheimischen argumentieren stark für dessen Existenz. Manche Skeptiker behaupten, dies geschähe, da die Sagen um Nessie der Tourismusindustrie nützen.

Die erste bekannte Erwähnung des Seeungeheuers stammt aus dem Jahre 565. Im Life of St. Columba (lateinischer Originaltitel: Vita Columbae) des Abtes Adamnan (* 623/24; † 23. September 704), einer Beschreibung des Lebens des St. Columban wird beschrieben, wie der Heilige das Leben eines Pikten rettete, der im River Ness attackiert wurde. Manche Kritiker bezweifeln die Glaubwürdigkeit des Life, da St. Columban unter anderem auch erzählt, er hätte ein Wildschwein nur mit der Kraft seiner Stimme vertrieben.
 
Weitere Sichtungen gab es zwar u.a. 1872 und 1903, doch berühmt wurde das Wesen erst am 2. Mai 1933, als erstmals regionale Zeitungen von der Sichtung eines Ungeheuers schrieben. Die Zeitung Inverness Courier brachte einen Artikel über Einheimische, die "ein riesiges im Loch tauchendes Tier" gesichtet hätten. Der Bericht über das "Monster" (ein vom Redakteur des Courier ausgewählter Name) wurde eine Mediensensation: Londoner Zeitungen sendeten Reporter nach Schottland und ein Zirkus bot sogar eine Summe von 20.000 Pfund für das Einfangen des Monsters.

Später im selben Jahr beschrieb A.H. Palmer, der Nessie angeblich am 11. August 1933 um 7 Uhr beobachtete, die Kreatur hätte ihren Kopf, den sie von vorne sahen, niedrig im Wasser. Sein Mund, der eine Länge von zwischen zwölf und achtzehn Inch hätte, öffnete und schloss sich; seine maximale Mundöffnung wurde auf ungefähr sechs Inch geschätzt.

Das neue Interesse an dem Ungeheuer von Loch Ness wurde durch ein angeblich vom Chirurgen R.K. Wilson geschossenes Foto vom 19. April 1934 geweckt. Es scheint ein großes Tier mit einem langen Hals zu zeigen, welches durch das Wasser gleitet. Jahrzehnte später am 12. März 1994 beanspruchte Marmaduke Wetherell für sich, das Foto gefälscht zu haben, nachdem er von der Zeitung Daily Mail angestellt wurde, Nessie zu jagen (das Foto wurde damals als "endgültiger Beweis" gedruckt). Wetherell gab auch an, dass Wilson das Foto nicht aufgenommen hat und sein Name nur benutzt wurde, um die Glaubwürdigkeit des Fotos zu erhöhen. 1993 hat ein anderer Mann auch schon für sich beansprucht, in eine solche Fälschung verwickelt gewesen zu sein.

   
Die meisten Berichte vom Erscheinungsbild des Monsters, einschließlich der historischen Berichte, weisen auf eine Ähnlichkeit zum ausgestorbenen Plesiosaurus hin. Das vorliegende Material dieser Kreatur aus dem Mesozoikum zeichnet ein Bild von einem großen Tier mit einem langen Hals und einem kleinen Kopf, das sich mit Flossen fortbewegt. Die angebliche Verbindung dieser Kreatur mit dem Monster von Loch Ness wurde zu einem bekannten Thema im Feld der Kryptozoologie. Doch die meisten Wissenschaftler halten die Idee, das Monster von Loch Ness sei ein Überrest des Mesozoikum, für sehr unwahrscheinlich — es müsste eine große Kolonie solcher Tiere existieren, um die längerfristige Existenz zu sichern, und, im Zusammenhang mit der Tatsache, dass Plesiosaurier zum Luftholen an die Oberfläche müssten, würde das viel mehr Sichtungen ergeben, als momentan der Fall ist. Viele Biologen sind auch der Meinung, dass Loch Ness nicht groß oder produktiv genug sei, um selbst eine kleine Familie dieser Tiere am Leben zu erhalten.
 
 

Andere Sichtungen passen nicht zum Erscheinungsbild der Plesiosaurier oder zu einem anderen Wassertier: Im April 1923 behauptete Alfred Cruickshank, ein 3 bis 3,5 Meter langes Tier mit gekrümmtem Rücken und vier elefantenartigen Füßen gesehen zu haben, welches vor seinem Fahrzeug die Straße überquerte. Andere Sichtungen sprechen eher für kamel- oder pferdeähnliche Tiere.

Die Erklärungsversuche der Wissenschaft für die Ungeheuer-Sichtungen sind sehr unterschiedlich: Fehlerkennungen von Robben, Fischen, Holzstämmen, Luftspiegelungen oder unübliche Wellenmuster.

In Flüssen in der Nähe von Loch Ness gibt es sehr große Störe, die aufgrund ihrer Größe und ihres ungewöhnlichen Erscheinungsbildes leicht für Monster gehalten werden könnten. Eine neue Theorie besagt, dass das "Monster" nicht mehr ist als Sprudeln im Wasser, das durch kleinere vulkanische Aktivität am Boden des Lochs verursacht wird. Dieses Argument wird — zu einem kleinen Teil — unterstützt von einem Zusammenhang zwischen tektonischen Bewegungen und den Sichtungen.


   
Beweise dagegen
Ein typischer Fall für eine angebliche Sichtung mit unbefriedigenden "Fakten" über Nessie ist der Fall vom Oktober 1871: Bei diesem Ereignis beschrieb ein gewisser "D. Mackenzie" etwas, das sich zuerst langsam bewegte und sich dann mit höherer Geschwindigkeit entfernte. Zeugen sagten, "das Monster" hätte einen (manchmal nicht nur einen) Buckel, der wie ein umgedrehtes Boot aussähe. Diese Geschichte wurde auf vielen Plätzen wiederholt, doch niemals wird eine Originalquelle aus dem Jahr 1871 zitiert, was die Artikel in ein schiefes Licht rückt.

Im Juli 2003 sprach BBC von einer ausführlichen Untersuchung von Loch Ness, die von einem BBC-Team mit 600 Sonarstrahlen durchgeführt wurde, das aber keine Spur eines "Seemonsters" fand. Das BBC-Team schloss seinen Bericht damit, dass Nessie nicht existiert.
 

Das berühmte Foto von 1934 (siehe oben) wird von manchen für eine Fälschung gehalten, basierend auf den Aussagen des Fotografen Marmaduke Wetherell kurz vor seinem Tod. Wetherell behauptete, das Foto, welches dem Monster viel Interesse zukommen ließ, wäre ein Foto von Ton, den man an ein Spielzeug-U-Boot angeklebt hätte. Doch schon vor Wetherells Aussagen hatten manche gemutmaßt, das Foto zeige einen Otter oder einen tauchenden Vogel. Es gibt allerdings zwei Fotos von 1934, die leicht unterschiedliche Posen zeigen, was zum Argument führt, dass die Fotos keine Fälschungen seien.


 
Beweise dafür
Manche behaupteten, dass eine Geschichte der Sichtungen im Loch ein Indiz für die Aktualität des Monsters seien. Man beachte, dass diese Aufzeichnungen stark angezweifelt wurden.

In den frühen 1970ern erhielt eine vom amerikanischen Patentrichter Robert Rines geleitete Gruppe ein paar Unterwasserfotos. Eines war ein ungenaues Bild, vielleicht eine rhombenförmige Flosse (andere sagten, es wären Luftblasen oder eine Fischflosse). Auf der Basis dieses Fotos verkündete der Fotograf Sir Peter Scott 1975, dass der wissenschaftliche Name des Monsters Nessiteras rhombopteryx lauten würde (man beachte, dass der Name ein Anagramm von "monster hoax by Sir Peter S" ist, was möglicherweise der Skeptik von Sir Peter zuzuschreiben ist). Das würde die Aufnahme von Nessie im "British register of officially protected wildlife" bedeuten.