Fortean Zoologie - im Gespräch mit Jonathan Downes
Jonathan Downes erforscht mysteriöse Tiere und Kreaturen, die es eigentlich garnict geben dürfte und deren Existenz von der Orthodoxen Wissenschaft rundweg geleugnet wird.
 

   
Jon Downes war von Jugend an ein enthusiastischer Hobbynaturforscher und Tierhalter, allerdings interessierte ihn eher die unkonventionelle Seite der Wissenschaft. Seit 1994 gibt er Animals & Men heraus, ein Magazin, das sich mit Kryptozoologie und der so genannten "Fortean"-Zoologie befasst. Downes' Interesse erstreckt sich inzwischen auch auf andere Facetten des Unerklärlichen, weshalb er mit The Goblin Universe ein zweites Magazin mit einem weitaus umfassenderen Themenbereich ins Leben gerufen hat.

Downes ist außerdem der Gründer des "Centre for Fortean Zoology", einer gemein-nützigen Gruppe, die sich zur Aufgabe gemacht hat die Arbeit von Forschern rund um den Globus zu koordinieren und Forschungsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Downes leitet auch die einzigartige Rockband, die sich "Jon Downes and the Amphibians from Outer Space" nennt.
 

 
Ich habe mich schon immer für unerklärliche Phänomene interessiert, insbesondere für die Erforschung mysteriöser Tiere. Dass dieses Gebiet jedoch einmal zu meinem Beruf werden würde ist auf einen reinen Zufall zurückzuführen.

Ich hatte einige Jahre lang einen kleinen Verlag geleitet, als ich Anfang der 90er Jahre mehr zum Spaß beschloss ein Magazin heraus-zugeben, das sich mit mysteriösen Tieren beschäftigte. Ich nannte es Animals & Men. Auf einer Tagung im Jahr 1994 interviewte mich ein Joumalist einer Sonntagszeitung und veröffentlichte daraufhin einen Artikel über mein Magazin. Er bezeichnete mich fälschlicherweise als einen der führenden Kryptozoologen Großbritanniens. Ich habe jahrelang versucht dies richtig zu stellen, da diese Bezeichnung von mir weder erwünscht ist noch wirklich beschreibt, womit ich mich befasse.

 
Sie bezeichnen sich selbst als "Fortean"Zoologe. Was ist unter diesem Begriff zu verstehen?
Ich erfand die Pseudowissenschaft "Fortean"-Zoologie als Oberbegriff für mein weit gestreutes Interessengebiet. Als "Fortean"-Zoologe halte ich die wissenschaftlich anerkannten Theorien für lückenhaft. Es existieren viele Phänomene, die der Pionierforscher Charles Fort (1814 - 1932, der Philosoph, von dessen Namen der Begriff "Fortean" abgeleitet wurde) als "verworfen" oder "ausgeschlossen" bezeichnete, da sie nicht in das existierende Weltbild passen. Ein großer Teil davon betrifft auch die Tierwelt. Als »Fortean«-Zoologe schloss ich mich der Suche nach Tieren an, deren Existenz von der akademi­schen Wissenschaft überhaupt nicht anerkannt wird. Ich erforsche auch den Zusammenhang zwischen Monstersichtungen, UFO-Berichten, Tierverstümmelungen und Kornkreisen in aller Welt. Außerdem beschäftige ich mich mit Magie, dem Hexenwesen, volkstümlichen Bräuchen und anderen seltsamen Erscheinungen.

 
Sie benutzen den Begriff »zooform« um gewisse geheimnisvolle Tiere zu beschreiben. Was versteht man darunter?
Ein zooformes Phänomen ist etwas, das ein Tier zu sein scheint, aber nach seiner genaueren Erforschung keines ist. Darüber weiß man bisher wenig. Meine Forschungen führten jedoch zu dem Schluss, dass viele von ihnen eine Art unabhängige Existenz haben, die von physikalischen Gesetzen definiert ist, die wir derzeit noch nicht verstehen.

 
Wie unterscheidet sich dies von der Kryptozoologie?
Es ist durchaus möglich, dass bisher unbekannte Spezies von Menschenaffen, ja selbst primitive Hominiden (die Primatenfamilie, zu der auch der Mensch gehört) sich an unzugänglichen Stellen unserers Planeten verbergen - so z. B. der Yeti, der Saswautch, der Orang Pendek oder der Yeren. Dies würde ich als Kryptozoologie bezeichnen. Ich glaube wirklich, dass solche Kreaturen, die an Orten entdeckt wurden - etwa im Himalaja -, an denen der Logik nach ein Wesen aus Fleisch und Blut nicht hätte überleben können, existieren. Berichte über das Auftauchen des "Big-Foot" in urbanen Gebieten Nordamerikas, häufig in Verbindung mit UFO-Sichtungen, aber auch in Westeuropa, konforontierten uns mit einem Mysterium, das mit einem zoologischen Bezugssystem einfach nicht erklärt werden kann.

 
Gab es in jüngster Zeit zooforme Fälle?
Ja. Ein neuerer Fall betrifft das »Chupacabra«, auch »Ziegensauger« genannt. Das ist eine nicht näher definierte Kreatur, die in Hispano-amerika und besonders häufig in Puerto Rico Viehherden, Haustiere, ja, sogar Menschen angreifen soll. Die Schilderungen von Augenzeugen sind unterschiedlich. Einige beschreiben dieses Wesen als riesige Fledermaus, andere als affenähnlich. Wieder andere sagen aus, es ähnele einem Dämon und Ungeheuer aus einem zweitklassigen Horrorfilm der 50er­Jahre. Das »Chupacabra« ist ein klassisches Beispiel aus der »Fortean­Zoologie« und konfrontiert uns mit einem der faszinierendsten, aber auch frustrierendsten Fälle in der zeitgenössischen Zoologie.

 
Wie reagieren eigentlich qualifizierte Zoologen auf Begriffe wie »Fortean«-Zoologie und »zooforme« Phänomene?
Charles Fort hat sich selbst als »Erzfeind der Wissenschaft« bezeichnet. Dies hat leider zu dem allgemeinen Missverständnis geführt, die akademische 'Wissenschaft und die »Fortean«-Forschung seien etwas diametral Gegensätzliches. Doch dies ist - zumindest meiner Erfahrung nach - keineswegs der Fall. Ich habe mit Wissenschaftlern wie Dr. Karl Shuker (Großbritannien), Dr. Rafael Lara-Palmeros (Mexiko) und Dr. Francois de Sarre (Frankreich) eng zusammengearbeitet. Alle drei standen meiner unorthodoxen Methodologie aufgeschlossen gegenüber.
Die Chaostheorie, darunter auch die neuesten Entdeckungen innerhalb der Chaosmathematik, haben meiner Meinung nach den Weg für eine ähnliche Renaissance im zoologischen Denken geebnet.

 
Was erforschen Sie derzeit?
Ich befasse mich in letzter Zeit verstärkt mit dem Thema der Tierverstümmelungen. Während man viele dieser Zwischenfälle mit Sicherheit als Resultat perverser menschlicher Gewaltakte auffassen kann, gibt es dennoch einige Fälle, die sich die herkömmliche Gerichtsmedizin nicht erklären kann.

 
Können Sie vielleicht ein Beispiel nennen?
Im Sommer 1978 kam es im Zoo von Newquay zu mehreren Zwischenfällen, bei denen große Wasservögel geköpft und ausgeweidet worden waren. Auch wurden zweimal in jenem Sommer Wallabymännchen angegriffen, getötet und auf eine Art und Weise verstümmelt, die den mit UFOs in Verbindung gebrachten Viehverstümmelungen überraschend ähnelt. Die Tiere waren nicht nur enthauptet worden, sondern ihre Körper waren auch zerstückelt und völlig blutleer. Bestimmte Organe hatte man mit geradezu chirurgischer Präzision entfernt. Der Mastdarm war so herausgeschnitten, als wäre dafür ein Teigschneider verwendet worden. Erstaunlicherweise gab es jedoch keinen Hinweis auf einen Kampf, und obwohl das Gehege der Tiere von geharktem Sand bedeckt war, fand man keinerlei Blutspuren. Nach einigen Wochen erfolgten seltsamerweise in dem nahe gelegenen Dorf St Colomb Major ähnliche Angriffe auf Farmtiere, darunter auch einer mit lykanthropischen Aspekten.

 
Was haben Sie über den so genannten »fliegenden Wallaby-Reißer« herausgefunden?
Wie bei den meisten derartigen Fällen ist es unmöglich, zu einem endgültigen Schluss zu kommen. Angesichts der Verbindungen zwischen diesen ungewöhnlichen Attacken und anderen paranormalen Phänomenen in der Gegend - etwa Berichten über UFOs und Gerüchten über schwarzmagische Rituale - halte ich die Meinung der Polizei, dass wild gewordene Hunde und ein sadistischer Schüler für die Vorkommnisse verantwortlich sind, doch für verfrüht.

 
Was interessiert Sie zur Zeit am meisten? Was erforschen Sie gerade?
Ich befasse mich verstärkt mit dem Thema der Tierverstümmelungen. Ich erforsche vor allem Tierverstümmelungen bei Vögeln (und auch bei einem Igel), die ich im Zusammenhang mit Kornkreisen auf Feldern südlich von Devon entdeckt habe. Diese Vorfälle sowie auch neueste Videos - beispielsweise das berüchtigte "Oliver-Castle"­Video (auf dem man die spontane Bildung eines Kornkreises beobachten kann) - und ein weiteres Video, auf dem durch die Luft getragene ektoplasmische Objekte wie etwa fliegende Schlangen zu sehen sein sollen, lassen vermuten, dass das Rätsel der Kornkreise noch längst nicht gelöst ist - und dies trotz der Negativbeweise verschiedener Kornkreisfälscher, die diese Phänomene leider in Verruf bringen.

 
Gibt es einen bestimmten Bereich der »Fortean«-Zoologie, den Sie noch näher erforschen wollen?
Ja, unbedingt. Der Autor Geoffrey Herklots, ein Experte auf dem Gebiet der Zoologie Hongkongs, gehört zu den Kapazitäten, die mich am stärksten beeinflusst haben. Er hat mich dazu inspiriert mein Leben ganz dem Studium der Tiere zu widmen. Deshalb würde ich sehr gerne die mysteriösen Tiere Hongkongs erforschen, bevor es dazu aus mehreren Griinden endgültig zu spät ist. Hongkong gehört heute zu den am dichtesten besiedelten Gegenden der Erde. Auf einem Gebiet von der Größe der Isle of Wight drängen sich so viele Menschen, wie in ganz Schottland leben. Dazu kommt noch die unglaubliche Tatsache, dass 70 Prozent des Territoriums praktisch unbewohnt sind.

Nachdem die Briten in Hongkong eingetroffen waren, wurden zahllose Berichte über außergewöhnliche Tiere veröffentlicht. Seit Mitte der 80er-Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hat man dort mehr als ein Dutzend bislang unbekannter oder angeblich ausgestorbener Säuge-tierarten unter recht mysteriösen Umständen entdeckt. Nachdem Hongkong nun unter chinesischer Herrschaft steht und die Schädigung der Umwelt durch Luftverschmutzung und Urbanisierung immer mehr zunimmt, wird es bald nicht mehr möglich sein, im wichtigsten natürlichsten Labor zu forschen, das einem »Fortean«-Zoologen derzeit noch zur Verfügung steht.

 
Wie würden Sie zukünftigen Generationen am liebsten in Erinnerung bleiben?
Lassen Sie mich nachdenken: Als gewissenhafter Forscher, treuer Freund, überzeugter Royalist, leidenschaftlicher Tagträumer - und als einer der besten Bassgitarriten unter der Sonne.
 
Das Biest aus dem Bodmin-Moor
Downes erforscht nicht nur geheimnisvolle Tiere, sondern hatte zudem auch zwei Sichtungen des legendären "Ungeheuers aus dem Bodmin-Moor". Darüber berichtet er folgendes: "Als ich eines Abends Anfang Mai 1997 über das Moor nach Hause fuhr, lief vor mir ein Tier über die Straße, dessen Körper 1,2 Meter lang war und zudem einen r und 60 cm langen Schwanz aufwies. Es war dunkel gefärbt und hatte eine hellere Unterseite. Es hatte lange, schlanke Beine, riesige Pfoten und eine keulenförmige Schwanzsspitze. Den Kopf konnte ich nicht erkennen. Ich glaube daß es sich bei dem von mir beobachteten Tier um einen Puma handelte. Da das Wesen noch relativ jung war ist zu vermuten, dass es im Moor eine fruchtbare Brutstätte dieser Tiere gibt."

Bis zur Verkündung des "Gesetzes über gefährliche Wildtiere" (1976) war die Haltung von Großkatzen als Haustiere in den 70er Jahren keine Seltenheit gewesen. Gipsabdrücke von Pfoten lassen darauf schliessen, dass noch heute viele dieser Tiere in freier Wildbahn leben.